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Die rockigen Farben des Jazz

Konzert - Die "Jazz Pistols" stellen im Alten E-Werk in Heppenheim ihr neues Album "Superstring" vor

Heppenheim: Mit "Fusion" bezeichnen Jazz Musiker seit drei Jahrzehnten die Tednenz sich der Formensprache der Rock-Musik anzunähern. Die "Jazz Pistols" sind heute eine der international meistgefragtesten deutschen Bands dieses Genres. Das Trio entstand vor 15 Jahren als Teil der Band von Uwe Ochsenknecht und hat zwischenzeitlich 35 Länder bereist. Weil der Bassist in Heppenheim geboren ist, kommen sie alljährlich für einen Auftritt in seine Heimat. So präsentierte am Samstag das "Forum Kultur" die "Jazz Pistols" im ausverkauften "Alten E-Werk" am Heppenheimer Bahnhof.
Bei "Gitarre, Bass, Schlagzeug" denkt man zunächst an die legendäre "Experience" von Jimi Hendrix. Mit genau dieser kreischenden Wah-Wah-Gitarre über einem treibenden Beat überrascht das Terzett tatsächlich bei Titeln wie "Three Views Of A Secret" (drei Ansichten eines Geheimnisses). Aber das ist nur eine der vielen Facetten der Formation. Im gleichen Stück kommt uns die Gitarre plötzlich zuckersüß, bis sie von einem mehrstimmigen Bass-Solo in die Begleiter-Rolle gedrängt wird - Szenenapplaus, wie so oft an diesem Abend.
Fast alle Kompositionen stammen von Stefan Ivan Schäfer. Er gilt als einer der schnellsten Gitarreros der Welt und hat keine Berührungsängste mit moderner Elektronik: Klang er gerade noch nach spanischem Flamenco, triggert seine Gitarre im nächsten Augenblick streicherähnliche Flächen aus dem Synthesizer. Begleitet wird er dabei von den Solisten Thomas Lui Ludwig und Christoph Victor Kaiser, der seinen sechssaitigen Bass wie ein ganzes Orchester zu gebrauchen versteht. Immer wieder dreht man erstaunt den Kopf zu ihm, weil eine virtuose Gitarre erklingt, obwohl Ivan die Hände in den Taschen hat.
Die Klangvielfalt des Gitarristen scheint von Pat Metheney bis Roger Waters an alle Größen der Rockgeschichte erinnern zu wollen. Dabei vermeidet er Klischees und verblüfft das Publikum nach einem ausgreifenden Schlagwerksolo mit einem melancholischen Alleingang unter dem Titel "Rubicon" - was allerdings nicht weniger bejubelt wird. Doch im Handumdrehen klingen alle drei wieder wie aus einem Guss.
Oftmals lassen sich die Zuhörer durch Reminiszenzen an romantische Ohrwürmer auf eine falsche Fährte locken - aber nur bis das Schlagwerk einsetzt. Lui Ludwig, der mit launigen Ansagen durch das Programm führt, gilt als einer der vielseitigsten Rock-Schlagwerker, kommt auch bei hakeligen Rhythmen nicht aus der Ruhe und trommelt mit den Füßen seinbar völlig unabhängig von dem, was die Hände mit den Stöcken tun. Er präsentiert am Samstag mehrere schweißtreibende Solopassagen, und so, wie er dabei umjubelt wird, könnte er fast den Abend alleine bestreiten.

Das Album:
Die CD "Superstring" erscheint am 21. März bei "Cherrytown Records", ist aber schon jetzt über www.jazz-pistols.de erhältlich.

21. Februar 2011 |Marc Mandel - Darmstädter Echo