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Die neue CD: Heppenheimer Jazz Pistols gut in Schuss
Kraftvolle Höhenflüge

Jazzrock ist nicht tot, er riecht nur etwas komisch - Frank Zappas leicht abgewandeltes Aperçu mag generelle Gültigkeit haben. Auf die Heppenheimer Band Jazz Pistols trifft es aber nicht zu. Bei dem Trio steht Fusion-Musik nach wie vor in voller Blüte. Warum dies so ist, zeigt ihre neue CD "Superstrings": weil die Drei die Tempoklischees des Genres gekonnt umschiffen. Ihre Stücke sind bei aller Virtuosität und Kraftfülle nie überfrachtet. Und die Combo lässt sich von den guten Geistern der Zunft inspirieren, von Pat Methenys offenen Szenarien oder Chick Coreas Verspieltheit. Die kreative Munition der Pistols besteht aus Musikalität, Geschmack, Gespür für Dramaturgie und explosiver Energie.

Komplexe Rhythmen
Auf "Superstrings" nutzt das Trio die Tiefe des musikalischen Raums, inszeniert seine Stücke zwischen luftiger Weite und spannungsvoller Verdichtung. Zugleich hat die Combo bis hin zum 11/8-Takt den Umgang mit komplexen Metren perfektioniert, die sie nun zum leichteren Nachhören im CD-Booklet auflistet.

Mit muskulösen Schlagfolgen bildet Drummer Thomas Lui Ludwig nach wie vor das Kraftzentrum der Gruppe, das sie souverän durch mitunter halsbrecherische Rhythmus-Katarakte manövriert. Gitarrist Stefan Ivan Schäfer verblüfft mit frappierender Vielseitigkeit. Er nutzt nicht nur mannigfaltige Sound-Effekte - verhangene Schwebe-Klänge, röhrende Wah-Wah-Quetschtöne, filigrane, fein konturierte Linien -, sondern vermag Stilgrenzen zu transzendieren. In "New One" bringt er eine Heavy-Metal-Gitarre ganz klassisch zum Swingen, auf "Three Views Of A Secret" vereint er gar soulige Jimi-Hendrix-Floskeln mit lyrischen Joe-Pass-Anklängen.

Und Christoph Victor Kaiser entlockt seinem E-Bass unglaubliche Sonoritäten: flächige Keyboard-Klänge, perkussive Slap-Hiebe, gärende Funk-Grooves und gitarrenartige Tonfolgen, wodurch die Illusion eines vierten Mitspielers entsteht. Den brauchen die Drei aber nicht. Sie klingen auch so exzellent.

Gerhard Spindler - Mannheimer Morgen - 28.Jan.2011

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