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Jazz Pistols "SUPERSTRING" Cherrytown Records

"Energy-Jazz" nennen der Gitarrist Ivan Schäfer, der Bassist Christoph Victor Kaiser und der Schlagzeuger Thomas Lui Ludwig des Trios Jazz Pistols ihre temporeiche und mitreißende Jazz-Rock-Fusion. Auf der neuen CD "Superstring" verbinden sie in bewährter Weise Jazz und Rock mit Anleihen aus Funk sowie Psychodelic und Soul-Sounds. Zwischen die energiegeladenen Passagen packen die Drei auch mal langsame und besinnliche Parts wie das melodiöse, filigrane Single-Note-Solo Schäfers in "Rubicon" oder eine Passage in "New One", um gleich darauf mit Hochgeschwindigkeitsläufen auf der Gitarre mögliche Ruhepausen zu verdrängen.

Es findet sich kaum eine Komposition, in der nicht mehrfach Atmosphäre, Tempo und Stimmungen gewechselt werden. Sieben-Achtel, Fünf-Viertel und Neun-Achtel während eines Bass-Solos, bevor schließlich Drummer Thomas Lui Ludwig in "New One", das beispielhaft für die Jazz Pistols steht, in Up-Tempo-Passagen knifflige und polymetrische Schlagfolgen mit verblüffender Leichtigkeit trommelt und der nachfolgenden Gitarre die Geschwindigkeit vorgibt. Kraftvoll und aggressiv ist Ivan Schäfer in seinen rasenden Power-Läufen, melodiös und verhalten beim Solo in "Three views of a secret"oder ziseliert im genannten Solo-Stück "Rubicon". Auffällig ist die außergewöhnliche Spieltechnik des Bassisten Christoph Victor Kaiser, der seinen sechssaitigen Bass beidhändig mit Fingertapping schlägt. Dann groovt er mit der linken Hand, während die rechte spannungssteigernd gegenläufig zupft oder ostinat grundiert. In "Chick San" zitiert die Gitarre ganz kurz Chick Coreas Spain", in "Berns Rotation" das Thema von America aus der Westside Story.

Eng verzahnt sind die Interaktionen der drei Musiker, doch bei aller Komplexität transparent und in sich schlüssig wie bei "SMBH", das mit einem gradlinigen 4/4 startet, in afrikanische Rhythmen gleitet und wieder zum rockigen Viertel-Beat zurückkehrt. Elektronik wird sparsam und aufrauend sowie für Glissandi eingesetzt. Trocken und erdig sind die ostinaten Bass-Riffs, die "Sex in a pan" antreiben.
Auch wenn einige der fast ausschließlich eigenkomponierten Stücke sich mal im Tempo zurückhalten, so bestimmen doch Groove und Dynamik den Gesamteindruck. Auf mich wirkt in diesem Kontext die Komposition "Old fart" wie ein Durchhänger. Doch solche Momente sind die Ausnahme auf dieser insgesamt spannungsgeladenen Scheibe, für die "Superstring" ein durchaus passender Titel ist.

Klaus Mümpfer
M u e m p f e r K l a u s @ w e b . d e
www.jazzpages.com/Muempfer

 

JazzPages - 4-2011