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Heilende Munition - Jazz Pistols

Die Munition der Jazz Pistols ist heilend. Denn das Trio verschafft sich Respekt mit Salven energiegeladener Riffs und hart getrommelten Vibrationen.Ballistisch ist ein Ziel im Visier: das Optimum komplexer Intros mit inerpersonaler Verständigung bei Improvisationen zu erreichen. Wozu keine Tricks notwendig sind, sondern ausschließlich die Bereitschaft, als gleichberechtigete Partner zu spielen.

Die Trennschärfe von Stefan Ivan Schäfer (Gitarre), Christoph Victor Kaiser (Bass) und Thomas Lui Ludwig (drums) sollte "Live" eigentlich gut zu hören sein. Doch der Sound ist so verwirrend kompakt und zugleich differenziert, dass keine klare Dominanz festzustellen ist. Ein absolut kooperativer Stil im Grenzbereich von elegantem Jazz und Heavy Metal Dynamik.

Die Übergänge sind unerwartet, wenn "Three on the floor" sich aus einem Thema in schnellen Bewegungshaken lösen: pumpende Gitarrenakkorde und Slapbass bereiten den Parcours für ein melodisches Schlagzeugsolo, bei dem Thomas Ludwig den Freiraum, ohne Egosucht, für die Gestaltug des gemeinsamen Klangprozesses nutzt.

Die Jazz Pistols verstärken sich und ihre Musik gegenseitig, raffiniert, wenn bei der Jagd auf "Moby Dick" die Illsionen von zwei Gitarrenharpunen ensteht - wahrscheinlich ein diskret dazu geschalteter paralleler Syntheziser. Auch das "Birdland" von Joe Zawinul wird gefeiert - in "Teen Town" von Jaco Pastorius, wobei Christoph Kaiser fast lässig seine unglaublichen Bassfertigkeiten zeigt und Stefan Schäfer nicht verbergen kann, dass John McLaughlin ein Favorit ist. Diese Referenzen verweisen auf das Profil der Jazz Pistols, die sonst ihren Stil in Eigenkompositionen entwickelt haben. "Live" sind sie ein Jazzeuphorikum. CD des Monats

Music Manual - Winter 06/07 (Text: Hans Dieter Grünefeld)